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Aus "The Aussie Voice" Vol. 3, No. 2, Erscheinungsdatum April 2000
Autorin, zugleich Herausgeberin der "Voice": Kris Toft, 12501 N.Rt.E, Harrisburg, MO 65256
Übersetzung: A. Nowek

Primarily
Es gibt sehr gute Gründe dafür, daß man keinen All American Futurity-Gewinner in der Anfänger-Klasse antreffen wird. Aus dem gleichen Grund findet man dort nicht die Gewinner des Kentucky Derby's. Aus dem gleichen Grund wird Cindy Crawford niemals eine olympische Goldmedaille gewinnen. Und aus dem gleichen Grund stammen die besten Arbeitsaussies nicht aus Showlinien.
Hüteinstinkt ist insgesamt eine genau so starke Erbeigenschaft wie Farbe, Gesamterscheinung, Temperament und jede andere Eigenschaft eines jeden Lebewesens. Die einfache genetische Regel ist, dass, sofern man auf eine bestimmte Eigenschaft hin selektiert, man diese erhalten wird. Beachtet man diese jedoch nicht, verschwindet sie.
Die Behauptung, dass der Hund arbeitet weil er ein Aussie ist, entspricht nicht der Wahrheit. Ein Titel "Started Duck" (Enten, Anfängerklasse) ist ein Beweis für rein gar nichts. Ein kontrolliertes Raubtier kann die Anfänger- und auch Fortgeschrittenentitel erreichen und Enten stellen mit Sicherheit nicht die Herausforderung dar, den Mut eines Hundes zu testen.
Selbstverständlich können Hütehunde auch andere Dinge tun. Es ist möglich, für den Show-Ring zu züchten bei gleichzeitiger Erhaltung des Hüteinstinktes. Aber den Hüteinstinkt in der Zucht zu vernachlässigen, weil man nur für den Show-Ring züchtet, bedeutet, die andererseits gerade den Showfreunden "heilige" Grundlage - den Rassestandard - zu verleugnen. Der erste Absatz des Rassestandards sowohl in der Fassung des ASCA wie des AKC stellt heraus, dass Aussies "PRIMARILY" Hütehunde sind. Das bedeutet, dass sie in erster Linie Hütehunde zu sein haben. Sind sie das nicht, dann ignoriert man genau die Eigenschaft, die den Gründern der Rasse die Wichtigste von allen war.

Show-Enthusiasten werden wütend, wenn man ihnen diese einfache Tatsache vor Augen führt und reagieren auf diese mit der Vergabe des Etiketts, alle Arbeitshunde seien hässlich und fehlerhaft. Die Rasseaufzeichnungen unterstützen dieses jedoch absolut nicht. Es gibt viel mehr aus Arbeitslinien stammende Hunde mit CH-Titeln als jemals aus Show-Linien hervorgegangene Hunde den WTCH-Titel erringen werden (WTCH = Working Trial Champion).

Wenn auf Hütefähigkeit so kinderleicht gezüchtet werden könnte, würde die Statistik ein genau umgekehrtes Bild zeigen, wenngleich das Erringen des WTCH immer ein hochgestecktes Ziel bleiben wird, welches nur wenige erreichen. Das hat weniger mit der Verfügbarkeit von Tieren, an denen gearbeitet werden kann, als vielmehr mit den Grenzen des einzelnen Hundes zu tun. Es gibt viele Teilnehmer in den Finalrunden und ein oder zwei der bisherigen Gewinner leben sogar inmitten irgendeiner Großstadt! Man muß es nur wirklich wollen. Es ist nicht schlechter, Bücher zu lesen oder zu Hundeschauen zu gehen, es zeigt nur die Prioritäten, wie man seine Zeit und sein Geld einsetzt.
Rassestandards schaffen eine familiäre Bindung innerhalb der Hundewelt. "Moderat", "Mittel" usw. als Aussagen werden in dem Zusammenhang benutzt, einander hier zu verstehen. Aber wie immer bei solchen Begriffen gibt es eine große Freiheit der Auslegung; sie ist jedoch mit Sicherheit nicht so weit gefaßt, wie die Showenthusiasten sie interpretieren. Moderate Felllänge?
Die liegt irgendwo zwischen einem Dobermann und einem Afghanen. Näher bei dem Afghanen ist nicht "moderat", es ist in der Nähe von exzessiv viel. Moderate Knochenstärke? Irgendwo zwischen dem Italienischen Windspiel und dem Berner Sennenhund. Bedenken Sie bitte, dass bei der Knochenstärke immer auch die Relation zu der Größe des Hundes herzustellen ist. Ein Cairn Terrier, ein kleiner Hund, hat einen für seine Größe moderaten Knochenbau. Der Knochenbau eines Berners ist nicht moderat.
Nur wenige verstehen, woher der Ausdruck "trocken" kommt und was er bedeutet. Obwohl sabbernde, nasse Schnauzen den Ausdruck eines "nassen" Gesamtbildes vermitteln, hat der Ausdruck "trocken" mehr mit der Ausbildung von Knochen und Muskulatur als mit Speichelflüssigkeit zu tun.
Dieser Ausdruck kommt, wie viele Worte der Hundesprache, aus der Pferdewelt. Ein Pferd mit einem trockenen Kopf hat einen gemeißelten, feinen Ausdruck. Araber sind die Rasse mit dem ultimativen trockenen Kopf. Die Haut liegt direkt über den Knochen und zeigt deutlich alle Erhebungen und Vertiefungen des Schädels. Nach einem trockenen Kopf zu fragen ist sehr begründet, auch bezüglich des Gebäudes. Die Erhebungen und Vertiefungen in den Knochen schaffen den Raum für die Befestigung der Muskulatur. Flache und optisch weiche Skelettstrukturen bieten nur wenig Raum für diese Ansätze. Je weniger Platz, desto kleiner und schwächer wird der Muskel selbst sein.
"Trocken" ist jedoch nicht nur ein Ausdruck für die Gestaltung des Kopfes, aber am Kopf ist diese Eigenschaft am deutlichsten sichtbar. Hat ein Tier einen trockenen Kopf, wird es auch eher über einen gut entwickelten Knochenbau und dazugehörig gute Muskelausbildung am Körper verfügen. Hat es diesen nicht, wird es eher nicht - so einfach ist das. Das hört sich zu simpel an? Es ist egal wie es sich anhört, wichtig ist, dass dies einen Großteil des Unterschiedes zwischen einem "Super-Hund" und einem Mitläufer darstellt.
Das beste Buch über die Gesamterscheinung des Hundes und Bewegung ist "Dog Locomotion and Gait Analysis" von Curtis Brown. Aber ich warne Sie! Sie sollten lieber zunächst Ihre Physik-Kenntnisse ausgraben. Es ist kein Buch der schnellen Antworten oder die komplette Gebrauchsanweisung, die auf einer Briefmarke genug Platz findet. Es ist ein wissenschaftliches Werk von einem Wissenschaftler.
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