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Die artgerechte Ernährung für Hunde
von Irene Möller
Schon wieder Dosenravioli!!! Die gab es doch schon gestern und vorgestern und vorvorgestern! Wie langweilig! Wenn man sich jahrein, jahraus nur von Dosenravioli ernähren würde, wäre das nicht nur langweilig, sondern ungesund!
Um Ihren Hund möglichst artgerecht zu ernähren zu können, müssen Sie sich mit der Ernährung wilder Caniden auseinandersetzen.
1. Wie ernähren sich Wolf und Dingo?
2. Ist es realistisch, seinen Hund so naturnah wie möglich ernähren zu wollen?
3. Für welche Hunde ist eine artgerechte, rohe Ernährung geeignet?
4. Welche Vorteile bietet die artgerechte, rohe Ernährung?
5. Wie führt man die artgerechte, rohe Ernährung durch?
1. Wie ernähren sich Wolf und Dingo?
Caniden sind in erster Linie Carnivoren und in 2. Linie Allesfresser. D.h. in erster Linie fressen Carnivoren ganze Beutetiere. Juvenile Beutetiere werden komplett, mit Haut und Haaren, verspeist. Bei älteren Beutetieren hingegen bleiben mehr Überreste wie Schädel oder Röhrbeine übrig.
Man muss wissen, dass Caniden selten um Punkt 8 Uhr ihr Frühstück vorgesetzt bekommen. Deshalb haben sie erstaunliche Fähigkeiten: Sie können bis zu 20 kg Fleisch auf einmal fressen, dafür aber auch 14 Tage fasten - ohne Schaden zu nehmen! Zu Zeiten, in denen das Futterangebot nicht so üppig ist, ernähren sich Caniden auch von Beeren, die sie von Sträuchern abrebeln, Gräsern, Obst und was sie sonst noch so finden.
2. Ist es realistisch, seinen Hund so naturnah wie möglich ernähren zu wollen?
Natürlich können heute die wenigsten Hundebesitzer ihren Hunden ganze Beutetiere vorsetzen. Dennoch ist es möglich, einen Hund sehr naturnah zu ernähren.
Statt ihm Fertigfutter oder Selbstgekochtes vorzusetzen, können Sie ihren Hund mit rohem Fleisch und rohen (!!!) Knochen füttern. Dabei dürfen sämtliche Fleischsorten roh gefüttert werden - auch Geflügel! - bis auf rohes Schwein. Denn Schweinefleisch kann das Aujetzky-Virus in sich haben. Uns Menschen macht dieses Virus nichts aus; Hunde können jedoch innerhalb von 2 - 3 Tagen jämmerlich daran sterben.
Um sicher zu gehen, dass man möglichst viele Nährstoffe abdeckt, füttert Sie dem Hund noch einen leckeren Gemüsebrei. Dabei wird der Mageninhalt eines Beutetieres nachempfunden. Das Gemüse muss püriert (oder Kräuter getrocknet) sein, damit der Hundemagen die Nährstoffe aufnehmen kann. Hunden fehlen nämlich die Enzyme, die nötig sind, um Cellulose aufzuspalten.
Den Gemüsebrei kann man entweder mit Fleisch oder einem rohen Ei oder Quark/Hüttenkäse/Joghurt verfeinern. Zudem kann man ein wenig hochwertiges, kaltgepresstes Öl und Kräuter zusetzen. Fertig ist die Mahlzeit!
Keine Angst! Der Hund wird, wenn Sie ihn so abwechslungsreich wie möglich ernähren, keine Mangelerscheinung erleiden. Wie gesagt: Caniden können 14 Tage lang ganz ohne Nahrung auskommen, ohne körperlichen Schaden zu nehmen. Man sollte die Hundenahrung innerhalb von 4 Wochen ausgewogen gestalten. Lediglich das Calcium/Phosphor-Verhältnis sollte stimmen, das bei 1,2: 1 liegen soll.
3. Für welche Hunde ist eine artgerechte, rohe Ernährung geeignet?
Die artgerechte, rohe Ernährung ist für jeden Hund geeignet. Egal, ob es sich um tragende Mutterhündinnen handelt, oder, ob die Hündin säugt; auch für Welpen oder sportlich aktive Hunde. Ebenso für alte Hunde.
Man muss natürlich etwas in der Zusammensetzung der Hundenahrung variieren, aber das ist kein Hexenwerk.
4. Welche Vorteile bietet die artgerechte, rohe Ernährung?
  • Starke Bänder und Sehnen
  • Bessere Muskulatur
  • Erleichterung bei arthritischen Erkrankungen
  • Schönes, gesundes Fell und kräftigere Krallen
  • Kein Zahnstein und kein Mundgeruch
  • Magendrehungsrisiko ist zum großen Teil sehr viel kleiner
  • Weniger Wachstumsprobleme
  • Kein typischer Hundegeruch
  • Weniger Parasiten
  • Kleinere Kotmengen
5. Wie führt man die artgerechte, rohe Ernährung durch?
Am Anfang ist es für Sie am wichtigesten, alles gut durchzuorganisieren.
  • Wo bekomme ich das Fleisch her?
  • Wieviel benötige ich in welchem Zeitraum?
  • Wie kriege ich es logistisch am besten unter?
  • Wie arbeite ich am rationellsten, d. h., dass ich am wenigsten Aufwand damit habe?
Zur Fütterung selber könnten Sie sich folgendes überlegen:
  • Welche Tagesmenge benötigt der Hund?
  • Welches Fleisch oder Gemüse darf er fressen?
  • Welche Zusätze brauche ich?
Fleisch bekommt man entweder in Shops, wie www.wag-the-dog.de; auf dem Wochenmarkt, beim Metzger oder in Schlachtereien. Am besten nehmen Sie eine größere Menge (so es die Gefriertruhe will) und frieren es portionsweise ein. D. h., dass man z. B. einmal im Vierteljahr für 2 - 3 Stunden mit Eintüten beschäftigt ist.
Das hat sich als sehr rationell herausgestellt, denn Sie müssen abends nur daran denken, die Futterportion für den nächsten Tag aufzutauen.
Das Gemüse pürieren Sie am besten in einem Standmixer. Dazu müssen Sie es nur grob klein schneiden und in den Mixer ein wenig Wasser hinzufügen. In einer halben Minute ist das Gemüse püriert! Es kann angerichtet werden! Der Aufwand für die artgerechte, rohe Ernährung ist also gar nicht so aufwändig, wie man zunächst denken mag!
Die Tagesmenge für den Hund kann man wie folgt berechnet:
Man rechnet 2 - 4 % vom gewünschten Endgewicht des Hundes, d. h, ein 20 kg schwerer Hund bekommt 400 g - 800 g Nahrung, davon etwa 60 - 80 % rohe, fleischige Knochen und 40 - 20% püriertes Obst oder Gemüse plus einige Zusätze.
Folgende Fleischsorten können gefüttert werden:
knorpeligen Knochen, Brustbein, Sandknochen, Hühnchen, Pute, Rind, Pferd, Lamm, Fisch, Wild, Kaninchen füttern, auch deren Innereien, wobei beim Pansen und beim Blättermagen zu beachten ist, dass sie "grün" sind.
Folgende Gemüsesorten sind gut geeignet:
An Gemüse kann man hauptsächlich Blattsalate, Spinat, Löwenzahn und frische Wiesen- und Gartenkräuter füttern, Wurzelgemüse, Zucchini, Kürbis, Gurke, Rote Beete. Bei Nachtschattengewächsen wie Paprika und Tomaten sollte man sich mengenmäßig etwas zurückhalten, da sie den giftigen Stoff Solanin enthalten.
Günstigenfalls verfüttert man 50% von dem, was über der Erde wächst und 50% von dem, was unter der Erde wächst in einer Gemüse-Mahlzeit.
Nicht gefüttert werden darf:
Zwiebel und Avocados. Sie sind giftig für Hunde.
An Zusätzen kann man ins Gemüse geben:
Kräuter (frisch oder getrocknet), Knoblauch, Kokosflocken, hochwertige, kaltgepresste Öle, Ingwer, Seealgen oder Bierhefe.
Möchten Sie Ihren Hund auf die artgerechte, rohe Ernährung umstellen, ist es ratsam, ihn 1- 2 Tage fasten zu lassen. So ist gewährleistet, dass das restliche Fertigfutter im Hund verdaut und wieder nach draußen befördert wurde und Verdauungsprobleme verhindert werden können.
Möglicherweise weiß Ihr Hund zunächst nicht, was er mit dem Frischfutter anfangen soll. Das ist aber relativ normal und solle einen nicht abschrecken, dem Hund erst einmal Zeit zu lassen, sich an das neue Futter zu gewöhnen.
Sollten Sie Probleme mit der Umstellung auf die artgerechte, rohe Ernährung haben, zögern Sie nicht, entweder im Forum oder unter i.moeller@hundeschule-teamspirit.de nachzufragen.
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