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Therapiehunde im Einsatz
Was sind eigentlich Therapiehunde?
Ein Therapiehund ist ein freundlicher, dem Menschen besonders zugetaner, nicht aggressiver Hund. Es besteht eine sehr gute Bindung zwischen Hundeführer (Therapeuten, Pädagogen, Arzt, sonstige medizinische Fachkräfte) und dem Hund. Der Hund "arbeitet" immer im Team mit seinem Besitzer = Therapiehundeteam. Dieses Team hat erfolgreich eine spezielle Ausbildung im therapeutischen Bereich absolviert.
Warum sind Hunde für den therapeutischen Einsatz besonders geeignet?
Hunde haben ähnliche soziale Strukturen und Bedürfnisse wie wir Menschen. Sie sind sehr einfühlsam, anpassungsfähig, suchen Kontakt zu anderen Sozialpartnern, sie genießen Aktivitäten mit Menschen (z.B. Spielen oder Schmusen), sie können im physischen, psychologischen und sozialen Bereich sehr positiv wirken. Sie können sich in wechselnder Umgebung zurechtfinden (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad), sie sind - von ihrer Größe betreffende - in der Regel leicht mitnehmbar, sie können Gefühle durch Mimik und Gesten ausdrücken, sie sind in der Lage verschiedene Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Sie motivieren zur Kontaktaufnahme. Diese Fähigkeiten werden bei einem angehenden Therapiehund verstärkt und gefördert.
Was sind die Einsatzgebiete eines Therapiehundes?
· in der tiergestützten Therapie:
Der Therapiehund wird gezielt mit definierter Zielvorgabe in einer herkömmlichen therapeutischen Sitzung als "Co -Therapeut" eingesetzt.
· in tiergestützten Aktivitäten:
Das sind Hunde, die in verschiedenen sozialen, pädagogischen Einrichtungen oder in Besuchsprogrammen eingesetzt werden.
D.h. sie "laufen" einfach bei der täglichen Arbeit von Mitarbeitern mit, oder sie werden gezielt zur Freizeitgestaltung (z.B. regelmäßige Spaziergänge) von Heimbewohnern durch Mitarbeiter oder Freiwillige eingebunden.
· bei Einzelpersonen im Privathaushalt:
Hier unterscheidet man zwischen regelmäßigen tiergestützten Einsätzen eines ausgebildeten Therapiehundes bei einer behinderten / chronisch kranken Person (ohne Serviceleistungen des Hundes).
Für diese Einsätze benötigt der Hund eine spezielle Ausbildung, er muß u. a. folgende Fähigkeiten erlernen:

- das Tolerieren ungewöhnlicher Bewegungen und Verhaltensweisen des Menschen. (z.B. Ataxie: Störung der Koordination von Bewegungsabläufen)
- den Anblick bedrohlicher Gegenstände wie Rollstuhl, Gehhilfen, Schienen
- das "Genießen" ungeschickter körperlicher Zuwendungen (z.B. Spastiker)
- "Manipulationen" an seinem Körper zu erdulden (z. B. am Schwanz ziehen)
- in Streßsituationen ruhig und gelassen zu bleiben
- ungewöhliche optische Anblicke, Geräusche, Gerüche tolerieren
- Verfeinerung der Erziehung des Hundes (z. B. Kommando "Decke") - dieses Kommando ist sehr wichtig, hier wird der Hund gezielt aus der Therapiesituation herausgeschickt, oder was noch wichtiger ist, der Hund hat so die Möglichkeit, sich selbständig aus der Therapiesituation herauszuziehen und damit anzuzeigen, dass der Hund die Therapie nicht mehr vorsetzten will (tierschutzgerechter Therapiehundeensatz!). Außerdem ist es sehr wichtig die Signale des Hundes gut zu kennen, um den Hund vor Streß und Überforderung zu schützen. Die Decke ist gleichbedeutend für eine neutrale Insel in der sich der Hund erholen kann. Diesen wichtigen Aspekt sollte jeder gute Therapiehundeausbilder berücksichtigen!!
- Gradwanderung von situationsabhängiger Aktivität oder Passivität des Hundes.

Grundvoraussetzung für diese Anforderungen an einen Hund:
- generell positive Menschenbezogenheit
- einem ausgeglichenen Wesen (souverän-dominant bis angenehme Submissivität)
- hohe Toleranzschwelle (keine nervösen Hunde)
- keine Aggressionsneigung
- niedriges bis mittleres Aktivitätsniveau je nach Einsatzgebiet
- wenig Neigung zum Bellen
- kein bis wenig Zeigen von Besitzverhalten
- Kommunikationsfreudigkeit (gute soziale Fähigkeiten)
- Sehr gute Grunderziehung
- Sehr gute Bindung zwischen Besitzer und Hund
- Rasse oder Geschlecht ist weitgehenst offen.
Die Geschichte der Therapiehunde
Der Kinderpsychiater Boris Levinsons setzte ab dem Ende der sechziger Jahre seinen Hund gezielt in der Therapie von Kindern ein. Das waren überwiegend Kinder mit Auffälligkeiten im Sozialverhalten. Diese Kinder vermieden den Beziehungsaufbau zu Ihrer Umwelt. Durch den intensiven Kontakt mit dem Hund öffneten sie sich langsam auch den Therapeuten und konvetionell therapeutische Maßnahmen konnten umgesetzt werden.
Levinson vertrat die Ansicht, dass besonders der Umgang mit dem Hund die emotionale Entwicklung eines Menschen positiv fördert.
Diese Erfahrung publizierte er international. Als Folge schlossen sich 1980 in den USA interessierte Organisationen unter den Verband "Delta Society" zusammen. Und begannen mit der Anwendung von tiergestützten Angeboten. Parallel entwickelte sich ein ähnliches System in England, die "Pets As Therapy" unter der Führung von Lesley Scott-Ordish.
Auserdem erfolgten mehrere Studien über die „therapeutische Wirkung von Tieren“ (speziell Hunden) u. a.:
E. und S Corson; USA Kontaktverhalten psychiatrischer Klinikpatienten zu Hunden
J. Sebkova; 1977 England angstmindernde Wirkungen durch Hunde
R. Lockwood; USA angstmindernde Wirkungen durch Hunde
P. Messent; England Kontaktverhalten von Tierbesitzern zu anderen Menschen
E. Friedmann, A. Katcher, A. Beck, J. Lynch; USA kreislaufstabilisierende Wirkungen bei Herzinfarktpatienten durch Tiere
Herzspezialist; Australien positive Auswirkungen auf Blutfettwerte und Blutdruck
Psychologen; Australien Auswirkungen auf alterstypische Beschwerden von Bewohnern eines Seniorenheimes
Zunächst mußte man allerdings um Anerkennung kämpfen, daß Hunde aus hygienischer Sicht keine Gefahr für den Menschen darstellten, sondern an der Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden wesentlich beitragen können.
Möglichkeiten und Grenzen von tiergestützten Therapieeinsätzen:
Seit Ende der 60-er Jahren wird das Thema "Tiere und Therapie" international erforscht und folgende wissenschaftliche Erkenntnisse konnten dazu erworben werden:
1. Physische Wirkungen des Hundes auf den Menschen:
- Normalisierung des Blutdruckes
- Normalisierung der Plasmacholesterol- und Triglyceridwerte (verringert die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- Freisetzung von Endorphinen (sogenannter Glückshormone)
- Ablenkung von Schmerzen
- Förderung der Motorik, der Koordination, der Kraftdosierung
- Steigerung der senso-motorischen Wahrnehmung
- Förderung der Tonusnormalisierung
- Förderung des Streßabbaues (Verminderte Ausschüttung von Streßhormon Kortisol)
2. Psychologische Wirkungen des Hundes auf Menschen:
- vermittelt das Gefühl, akzeptiert zu werden
- vermittelt das Gefühl von Geborgenheit
- vermittelt das Gefühl von Freude
- fördert das Selbstwertgefühl
- fördert die Persönlichkeitsentwicklung (z.B. Erlernen von Empathie)
- ermöglicht gesellschaftlich anerkannten Körperkonakt und Zärtlichkeit
- erstpürt Stimmungslagen des Menschen und gibt das Gefühl, diese zu verstehen
- fordert zum Spiel und gemeinsamen Aktivitäten auf.
3. Soziale Wirkungen des Hundes auf Menschen:
- wirkt als Kontaktvermittler, sei es verbaler oder nonverbaler Art zwischen Klient – Hund, und Klient - Hund - Therapeut
- liefert Gesprächsstoff
- fördert das Erlernen von Sozialverhalten und der nonverbalen Kommunikation
- (z. B. Erlernen der Kommunikationsmethoden, Erlernen von hygienischen Maßnahmen, Erlernen der Berücksichtigung von Bedürfnissen, Erlernen der Akzeptanz von Grenzen und Regeln)
Durch die umfassenden Wirkungen des Hundes auf Menschen sind die Möglichkeiten des Einsatzes fast unbegrenzt!
Text: Petra Martins, ZorrovBA@aol.com
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