· Start · Agility · Obedience · DogDancing · Tricks · DiscDogging · Hütearbeit · Rettungshund · Therapiehund · Mentaltraining ·

Mit freundlicher Genehmigung von Maika Ditzig (email)
Born to work
Born to work bedeutet, dass der Herding Instinct (den meisten) Aussies angeboren ist! Das Zusammentreiben einer Herde ist eine Fähigkeit, die der Aussie, wie auch andere Hütehunde, von Geburt an hat, ohne dass es ihm je gezeigt wurde.
Leider teilt sich die heutige Aussie-Zucht in 2 Lager:
Arbeitshunde mit wenig Conformation-Blut, die einen gut ausgeprägten Instinkt zeigen und oft auch auf ihre Fähigkeiten hin trainiert und eingesetzt werden. Sie werden häufig auf amerikanischen Ranches gehalten und hüten die Tiere, die dort leben. Hier bei uns sind sie oft Begleiter von Westernreitern, die sie wegen ihrer Loyalität und Verträglichkeit zu schätzen wissen.
Sie sind häufig aufgeweckter als die Show-Hunde und brauchen viel, beziehungsweise mehr sinnvolle Beschäftigung als die meisten Show-Aussies. Der viel zitierte "will to please" ist bei den Arbeitshunden in größerem Mass vorhanden.
Showhunde, die nach dem äußeren Erscheinungsbild, der "Conformation", gezüchtet werden, beziehungsweise, "Familienhunde", die wenig oder keinen Hüteinstinkt mehr zeigen sollen, damit sie von jedermann leicht zu halten sind.

Ein Hüteaussie kann seinem Arbeitsstil nach sein:
(Eine Kombination aus beidem ist der Idealfall!)
Ein Heeler
Aussies, die an der Hinterhand des Tieres arbeiten und das Tier von hinten treiben und lenken.

(Photocredit Vicki & Tina Mistretta / USA)
Ein Header
Aussies, die an der Vorhand und am Kopf des Tieres arbeiten und von vorne bremsen und lenken.

(Photocredit Nick Davis / USA)
Jedoch hat nicht jeder Aussie den Mut, einem großen Bullen direkt ins Auge zu sehen, ihn so herauszufordern und ihn direkt von vorne zu bremsen und zu lenken. Auch die Arbeit eines Heelers verlangt viel Mut von dem Hund, denn ein Tritt von einer Kuh kann unter Umständen lebensgefährlich sein.
Wendigkeit und Geschicklichkeit spielen hierbei eine große Rolle, aber auch die Fähigkeit, selbständig zu denken, im richtigen Moment Ruhe zu bewahren, still stehen zu bleiben und die Tiere zu fixieren, das sogenannte EYE zu zeigen. Der Hütehund demonstriert damit seine Dominanz über die Herde.
Das EYE zeigen kennt man hauptsächlich von den Border Collies (gut zu sehen in dem Film "Ein Schweinchen namens Babe"). Das ist aber nicht nur den "Bordern" vorbehalten, denn auch mancher Aussie zeigt "Eye" wie man im folgenden Bild gut sehen kann!
Die Border Collies zeigen in den Hüteszenen ihre Art Schafe zu arbeiten, die sich in einigen Punkten von der der Aussies unterscheidet:
Der Aussie steht z.B. im Gegensatz zum Border aufrecht, wenn er die Herde beobachtet. Der Border duckt sich flach auf die Erde und fixiert die Herde dabei konstant.

Das Bellen und Beissen bei der Arbeit an Schafen, Ziegen oder Enten ist nicht erwünscht und wird auf einem Trial (Hütewettbewerbe) mit Punktstrafen geahndet.
Beim Arbeiten mit Rindern oder Pferden kann es jedoch lebenswichtig sein, im richtigen Moment mal zu kneifen oder zu bellen. Es sollte jedoch auf keinen Fall eine Verletzung der Tiere hierdurch entstehen oder gar in wilde Kläfferei ausarten.
Den Mut, einen Bullen in die Hacken zu beissen und/oder sich vor seinen Kopf zu schmeissen haben meistens (die Ausnahme bestätigt wie immer die Regel) nur Hunde mit viel Arbeitsblut.
Bei den oben genannten Trials sammeln die Hunde Punkte für die verschiedenen Herding Titel:
STD = Started Trial Dog
OTD = Open Trial Dog
ATD = Advanced Trial Dog
WTCH = Working Trial Champion
Die kleinen Buchstaben hinter den Titeln bedeuten:
c = cattle s = sheep d = ducks

Nun zu den Showhunden:
(nach erfolgreicher Showkarriere mit einem CH vor dem Namen)
Auch unter ihnen gibt es natürlich Hunde, die eine STD o.ä. hinter Ihrem Namen führen. Meistens jedoch mit dem Zusatz "s" oder "d"! Das "c" ist hier nur selten zu finden.
Die Züchter der Showhunde legen mehr Wert auf Körperbau und Bewegung. Die Erhaltung des Instinkts wird hier leider oft ein bißchen vernachlässigt.
Der jeweilige Trend wird oftmals durch den jeweiligen Geschmack des Richters festgelegt, nach dem Motto "in" ist, was gewinnt.
So kommt es dazu, dass z.B. ein/e sehr erfolgreiche/r Rüde / Hündin häufig wieder und wieder in der Zucht eingesetzt wird und später durch manchmal extremes Linebreeding auf diese Hunde zwar oft wunderschöne Hunde entstehen, aber auch viele verdeckte genetische Defekte sich so vermehren, verstärken und ans Licht kommen. Was nicht heißt, dass nur bei den Showhunden Linebreeding eingesetzt wird.
Diese Risiken halten viele Züchter im Hinblick auf die Schönheit für ein notwendiges und in deren Augen unumgängliches Übel. Auch der Genpool wird auf diese Art immer kleiner.
So wird es hin und wieder so gehandhabt, dass z.B. ein schöner Arbeitshund ( ja, natürlich gibt es auch schöne Arbeitshunde :-) mit genetisch sauberem Hintergrund in eine bestehende Showlinie eingekreuzt wird, um den limitierten Genpool wieder zu erweitern.
Da der Trend im Showring eine lange Zeit auf Hunde ging und zum Teil auch noch geht, die starke Knochen und viel Fell haben, blieb die typische Beweglichkeit und Ausdauer des Aussies überwiegend auf der Strecke. So kommt es, dass reine Showhunde oft wesentlich ruhiger sind. Gerne werden sie liebevoll als Show- oder auch Couch Potatoes bezeichnet.
(Was man natürlich auch nicht verallgemeinern darf!)
Das heute im Conformation Ring so begehrte 'flying movement' ist zwar unheimlich schön anzusehen, aber eigentlich ein Fehler im Aussie-Bewegungsablauf. Der Aussie muss ausbalanciert und korrekt laufen, aber ein fliegender Trab nimmt dem Hund die Möglichkeit, wendig zu sein und schneller als z.B. der Huf einer Kuh oder eines Pferdes zu reagieren.

Die Züchter von Arbeitshunden berufen sich auf die Natur " IHRER" Rasse. Schönheit steht hier nicht immer in Vordergrund. Gesundheit dagegen sehr! Denn ein kranker Hund kann bekanntlich nicht besonders gut arbeiten. Ein korrektes Gebäude und ausbalancierte Bewegung sind allerdings elementar wichtig und unerlässlich, um die täglichen Pflichten bewältigen zu können.
Da in den letzten Jahren (leider vermehrt bei den Showhunden) gesundheitliche Probleme langsam ansteigen, wie zum Beispiel:
HD, ED, OCD, PRA, Katarakt, CEA, Linsenluxation, Iris Coloboma, Epelepsie, mittlerweile leider auch ererbte Temperamentsprobleme, fehlende Zähne, etc... werden zum Teil wieder vermehrt Show- und Arbeitshunde miteinander verpaart.
C.A. Sharp, eine Spezialistin für Australian Shepherd Genetik aus den USA, betont immer wieder wie wichtig es für die Zukunft der Rasse ist, mehr Show Hunde mit Arbeitshunden zu kreuzen, um den Inzuchtfaktor der Rasse an sich wieder zu senken. Das nennt man Outcross. Inzucht oder auch enge Linienzucht muss nichts Schlechtes bedeuten, man sollte nur absolut sicher sein, dass der Grundstamm total gesund war.
Gewissenhafte Züchter versuchen Ihr Bestes, lassen die Zuchthunde untersuchen und verpaaren wirklich nur die absolut Gesunden miteinander...
Natürlich treten einige Defekte auch erst in fortgeschrittenem Alter auf, in diesem Fall wird ein seriöser Züchter entsprechend handeln, die erkrankten Hunde sofort aus der Zucht nehmen und die Käufer der aus diesen Hunden bereits entstandenen Welpen umgehend informieren und beraten.
Auch das scheint für viele sogenannte Züchter keineswegs so selbstverständlich zu sein :-(
Wie sie sehen können ist das Thema Zucht mit dem Hüten stark verbunden, denn nur gute und gesunde Zuchttiere machen es möglich eine gute und gesunde "neue" Generation heranwachsen zu lassen und für uns gibt es nichts schöneres als auf der Wiese zu stehen und unseren Hunden bei der Arbeit zuzuschauen.
Das nennen wir Born to Work!
hoch